Earthship

Habt ihr eigentlich schonmal etwas von einem Earthship gehört?

Der Architekt beschreibt das Earthship mit folgenden Worten: „Stellt euch ein Haus vor, das sich selbst heizt, sein Wasser liefert, Essen produziert. Es braucht keine teure Technologie, recycelt seinen eigenen Abfall, hat seine eigenen Energiequellen. Es kann überall und von jedem gebaut werden, aus Dingen, die unsere Gesellschaft wegwirft.“

Darunter versteht man also in erster Linie Gebäude einer bestimmten Bauweise, welche sich nur durch passive solare Wärmegewinne und die Speicherung dieser mittels Masse erhitzen oder durch natürliche Luftzirkulation gekühlt werden. Außerdem zeichnen sie sich durch eine weitgehende Nutzung natürlicher und recycelter Baustoffe, sowie ihrer völligen Autarkie hinsichtlich Wärme, elektrischer Energie, Wasser und Abwasser aus. Ein besonderes Merkmal eines Earthships ist demnach die Verwendung von Zivilisationsabfällen als Baumaterial, sprich: Im Wesentlichen bestehen sie aus lokal verfügbaren, natürlichen, recycelten oder upgecycelten Materialien. Das Prinzip der „Biotechture“ ist hier auch ein Begriff, welcher öfter fällt.

Somit zeichnen sich die Häuser durch geschlossene Energie- und Versorgungskreisläufe aus, bieten gute Möglichkeit zur Lebensmittelproduktion, bereiten Regenwasser auf und generieren Strom- und Heizenergie aus Wind- und Solaranlagen.

Das Prinzip des Earthships, zu deutsch „Erdschiff“, wurde bereits in den 1970er Jahren von dem amerikanischen Architekten Michael Reynolds entwickelt. Damals entgegnete man ihm allerdings mit einer Menge Unverständnis. Erst knapp 30 Jahre später, als auch das Bewusstsein für den Klimaschutz und nachhaltige Baumethoden immer wichtiger wurden, verbreitete sich sein Konzept. Die meisten Gebäude werden von Reynolds eigenem Unternehmen entworfen, vermarktet, geplant und gebaut. Angeboten werden allerdings auch Pläne und Bücher, um selbst ein Earthship zu bauen.

Weltweit gibt es über 1.000 Earthships. Projekte wurden in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Schweden, Island, Estland und der Tschechischen Republik realisiert. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien wurden einige Projekte beendet. 

Und seit diesem Jahr gibt es das erste Earthship in Deutschland. Genau genommen in Baden-Württemberg, in der Gemeinde Kreßberg.

Seit Mai 2016 steht es im Schloss Tempelhof, einem kleinen Dorf zwischen Stuttgart und Nürnberg. Es ist fast vollständig autark und als Baumaterial dienten unter anderem Autoreifen von Altreifenhändlern und Werkstätten, Altglas aus Hotels und Restaurants, sowie Bruchfliesen aus Abbruchhäusern, die sich alle in der Umgebung befinden. 

In dem Earthship im Landkreis Schwäbisch Hall leben etwa 150 Menschen zusammen, in einem genossenschaftlich organisierten Dorf, um gemeinsam ökologisch und solidarisch zu leben.

Die Bewohner*innen berichten auf Social Media von ihrem zusammenleben, dort könnt ihr gerne mal vorbeischauen und euch das Ganze mal ansehen.

Dadurch, dass vorherige Realisierungen in Deutschland am Bauchrecht gescheitert sind, musste auch dieses Earthship ein paar Kompromiss eingehen: Das Trinkwasser muss aus der Leitung kommen und das Abwasser ist an die Kanalisation gebunden. Das Regenwasser wird ausschließlich für die Toilettenspülung und die Waschmaschine genutzt. Somit handelt es sich um ein fast autarkes Haus, denn unabhängig davon, läuft alles in einem Kreislauf. Beispielsweise ersetzt ein komplexes System die klassische und herkömmliche Heizung folgendermaßen: das lehmverputzte Gebäude wird passiv durch Solarwärme geheizt und die angesprochenen, alten Autoreifen sind in den Wänden verbaut. Diese wurden aufgeschnitten und mit Erde gefüllt und dienen so als thermale Speicher. Frischluft wird durch die Rohre im Erdwall geleitet und dabei vorgewärmt. 

Für den benötigten Strom sorgen Photovoltaik-Anlagen. Dieser wird in Batterien gespeichert. Die Besonderheit an diesem Earthship ist, dass es sich nicht um ein Einfamilienhaus handelt. Das Schiff in Tempelhof bildet einen zentralen Teil eines Wohnkomplexes. Es gibt ein Wohn- und Esszimmer, eine Küche, Duschen und Toiletten für 25 Menschen auf 155 Quadratmetern. Um das „Mutterschiff“ herum dienen Bauwagen und Jurten als Zimmer und Rückzugsorte für die Bewohner*innen. Die Bewohner*innen bestehen aus Singles, Paaren, alleinerziehenden Müttern und Vätern mit Kindern, Kleinfamilien und älteren Menschen. Es handelt sich außerdem um ein Pilotprojekt und wird wissenschaftlich begleitet. Die gesammelten Daten sollen Aufschluss über die Erstellung und den Betrieb des Gebäudes geben und dabei helfen vollautarke und auf mitteleuropäische Verhältnisse angepasste Earthships zu bauen. Natürlich wird je nach Standort die Bauweise an die klimatischen Gegebenheiten und an das geltende Baurecht angepasst. Auch jegliche Zahlen, wie Energieverbrauch und klimatische Werte, werden gemessen und genauestens erhoben. Jegliche Entscheidungen, wie zum Beispiel für alle genutzten Materialien, werden zur Diskussion und für zukünftige Projekte möglichst transparent gehalten.

Wie ihr seht, verändert sich das Leben im Kampf gegen den Klimawandel immer mehr und der Umweltschutz regt zu kreativen Ideen an. Mal sehen was da noch alles so kommt, aber das Earthship ist definitiv eine ausgefallene Idee!

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