"Grünes" Internet?

"Grünes" Internet?

Wie nachhaltig ist das Internet? 

Bei dem Nachhaltigkeitsgedanken wird der Fokus immer auf Verpackungsmaterialien und Verkehrsmittel gelegt - häufig wird dabei aber etwas vergessen, das die meisten von uns tagtäglich nutzen - auch du jetzt gerade, während du das hier liest: das Internet. Ob mit dem Laptop, Smartphone, Fernseher oder dem Tablet - die meisten von uns nutzen täglich mehrere internetfähige Geräte, oftmals sogar gleichzeitig. Nach Angaben von Greenpeace hätte das Internet - wäre es ein eigenes Land - den sechstgrößten Stromverbrauch. Wusstest du, dass zum Beispiel zwei Google-Suchen so viel CO2 verbrauchen wie eine Benutzung des Wasserkochers? Somit könnte jeder Google-Nutzer mit seinen monatlichen Suchanfragen eine 60Watt-Glühbirne für drei Stunden mit Strom versorgen. Und wir nutzen nicht nur Suchmaschinen, sondern verschicken E-Mails mit Anhängen, streamen Serien und Filme, besuchen verschiedenste Websites und spielen lustige Online-Games. Aktuell kommen noch eine große Menge an Videokonferenzen dazu. Wir vergessen oftmals, dass für die erhebliche Menge an Daten, die wir täglich produzieren, Unmengen an CO2 verbraucht werden - angefangen bei der Herstellung der Geräte über den Strom, mit dem diese betrieben werden bis hin zur Kühlung der Geräte, die diese Datenmengen verarbeiten und speichern. Digitale Technik ist mittlerweile für mehr als 3,7 Prozent der weltweiten Treibhaus-Gase verantwortlich. Im Jahr 2018 waren es für den zivilen Luftverkehr im Vergleich zwei Prozent der Emissionen. Und wusstest du, dass sich das weltweite Datenvolumen alle zwei Jahre verdoppelt? Irgendwo müssen diese verarbeitet und gespeichert werden und für die Herstellung, Wartung und Instandhaltung dieser Geräte wird ebenfalls CO2 verbraucht. 

Wir haben sechs Tipps für dich, wie du möglichst nachhaltig mit deiner Internetnutzung und deinen internetfähigen Geräten umgehen kannst:

  1. Auch die Produktion und Herstellung der Geräte verbraucht CO2. Deshalb versuch doch, die Geräte möglichst lange zu benutzen und dir auch nur das Gerät zu besorgen, das du wirklich brauchst. Große Bildschirme und leistungsstarke Grafikkarten verbrauchen natürlich mehr Energie als kleinere und leistungsschwächere Geräte. Vielleicht reicht es dir auch aus, ein gebrauchtes Gerät zu kaufen, so verlängerst du den Lebenszyklus eines Produktes und investierst nicht in die Produktion eines neuen Gerätes, wodurch wieder Ressourcen gespart werden. Wenn dein Gerät nicht mehr funktioniert und es sich auch nicht mehr reparieren lässt, dann wirf es nicht in den Hausmüll, sondern recycle es vernünftig. Das gilt natürlich für alle elektronischen Geräte.
    Außerdem kannst du dein(e) Gerät(e) abends ausschalten. Auch im Standby-Modus wird Energie verbraucht. Es ist ohnehin besser, wenn du die Geräte komplett herunterfährst, damit Programm-Updates vorgenommen werden können. Du kannst außerdem den Stecker deines Routers für dein WLAN über Nacht ziehen, du benötigst das Internet ja nicht während du schläfst. 


  2. Benutzte nachhaltige Suchmaschinen. Die bekannteste ist wahrscheinlich Ecosia: Die Einnahmen aus den Suchanfragen werden dafür verwendet, Bäume auf der ganzen Welt zu pflanzen. Mittlerweile wurden Dank dieser Einnahmen schon über 89 Millionen Bäume gepflanzt. Die Suchmaschine Gexsi hat einen ähnlichen Schwerpunkt: Mit den durch die Suchmaschine generierten Einnahmen werden innovative soziale Projekte unterstützt. Alle zwei Wochen gehen die Einnahmen an ein neues Projekt, was dann auch auf der Webseite vorgestellt wird. Messlatte dabei sind die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele wie zum Beispiel Geschlechtergleichheit,  Maßnahmen zum Klimaschutz oder Armutsbekämpfung.

     
  3. Du hast eine eigene Website oder möchtest eine eigene Website veröffentlichen? Dafür brauchst du immer einen Webhoster. Suche dir einen Anbieter, dessen Server mit Ökostrom laufen - also auf Basis erneuerbarer Energien. Immer mehr Webseiten stellen sich nun um und irgendwann wird das ganze Internet über erneuerbare Energien laufen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, gibt es schon seit 2006 die Green Web Foundation, eine Non-Profit-Organisation aus den Niederlanden, geführt von Freiwilligen aus Deutschland und den Niederlanden. Mithilfe einer Datenbank von technischen Parametern von grünen Hostern und dem Green Web Check wird visualisiert, ob die Website mit grüner Energie läuft oder eben nicht. Seit 2010 gibt es sogar die Green Web Apps, welche anzeigen, wie grün die Webseiten sind, die du auf deinem Browser besuchst. Die Strategie ist ganz einfach: Je mehr Webseiten dem Green Web Check unterzogen werden und je mehr grüne Webseiten den Badge auf ihrer Seite zeigen, umso mehr wird auf das Thema aufmerksam gemacht und umso mehr legen Unternehmen und Anbieter Wert auf solche Themen. Du willst herausfinden, ob eine Webseite mit grüner Energie läuft oder nicht? Dann kannst du ganz einfach den Link der Webseite hier eingeben.


    Checke auch die Online-Shops, bevor du bei ihnen bestellst. Vor allem große Online-Marktplatz-Anbieter laufen leider immer noch mit "grauem" Strom.
    Übrigens kannst du genauso auch bei deinem Cloud-Anbieter auf Nachhaltigkeit setzen.


  4. Wechsele zu einem echten Ökostromanbieter.  Ein “Echter”? Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Finde heraus, ob dein Anbieter ganzheitlich auf erneuerbare Energien setzt oder nur mit einem Tarif. Denn nicht alle, die Ökostrom-Tarife anbieten, investieren auch in den Ausbau erneuerbarer Energien. So bieten zwar einige Unternehmen Ökostrom-Tarife an, verkaufen gleichzeitig aber auch Angebote, die mit Kohlestrom laufen. Echte Ökostromanbieter erkennst du daran, dass sie Ökostrom zu 100% aus erneuerbaren Energien bereitstellen, den nachhaltigen Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland fördern und unabhängig gegenüber konventionellen Strom-Herstellern sind, die Kohle-, Strom- oder Atomenergie vertreiben. Außerdem kannst du auf Labels wie “OK-Power”, “Grüner Strom” oder das TÜV-Siegel achten. Diese werden auch auf Vergleichsportalen angezeigt, auf denen sich die verschiedenen Anbieter gut gegenüberstellen lassen. Weitere Informationen zu Ökostromanbietern findest du hier
    Auch bei deinem E-Mail-Anbieter kannst du auf nachhaltigere Angebote setzen und grüne Anbieter unterstützen.



  5. Rund drei Viertel des durchschnittlich genutzten Datenvolumens im Internet geht auf die Nutzung von Streaming-Diensten zurück. Vor allem aktuell, wenn aufgrund der Corona-Situation sowieso viel mehr Menschen zuhause bleiben müssen, steigt auch die Nutzung von Spotify, Netflix, Prime und Co.
    Was kannst du tun? Streame nicht aus Langeweile oder um dich abzulenken. Wenn dir eine Serie nicht so zusagt, dann schau sie dir nicht an und minimiere so deinen CO2-Abdruck. Wenn du kurze Videos schaust, nutze eher kleinere Bildschirme wie zum Beispiel dein Smartphone - auch das spart schon Energie. Dazu kannst du auch die Auflösung minimieren. Du benötigst bestimmt nicht immer die 8K-Qualität. Und wenn du einen Film oder eine Serie schaust, dann schaue bewusst und konzentriere dich auf eine Sache (sei nicht nebenbei noch am Smartphone). Du kannst außerdem die Lieder, die du oft hörst, runterladen anstatt zu streamen.
    Ein Zauberwort ist Digital Detox: Du verpasst nichts, wenn du deine digitalen Geräte ab und an mal beiseite legst. Verbringe den Abend lieber mit einem Buch oder bei einem Spaziergang (allein und/oder mit Sicherheitsabstand versteht sich 😉), statt am Smartphone oder beim Streamen.



  6. Du kannst außerdem regelmäßig deinen Papierkorb-Ordner deiner Mails leeren und unnötige Mails löschen - denn die Speicherung deiner Mails auf den Servern verbraucht auch Energie. Auch das Versenden, Empfangen und Speichern von Abonnements und Newslettern verbraucht CO2. Bestelle deshalb alle Abonnements ab, die du nicht brauchst. Der Zeitaufwand lohnt sich auch, weil du nicht mehr jedes Mal manuell die Mails löschen musst, die du eh nie gelesen hättest. Und wenn du schon dabei bist, kannst du auch direkt ungenutzte Accounts löschen - zum Beispiel bei Online-Shops, bei denen du nicht mehr bestellst oder Netzwerke und Plattformen, die du nicht mehr nutzt. 

Generell lässt sich dein Internet-CO2-Abdruck verkleinern, wenn du etwas bewusster über dein Nutzungsverhalten nachdenkst. Brauchst du zum Beispiel wirklich Dienste wie Alexa, Siri, Cortana und generell Sprachsuchen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten? Gib den Suchbegriff doch einfach direkt in die Suchleiste ein, das erspart unnötigen Rechenaufwand. Allgemein ergibt es außerdem Sinn, deinen CO2-Abdruck zu kompensieren, indem du zum Beispiel an Naturschutzorganisationen spendest, die Bäume pflanzen. Oder du unterstützt Energieprojekte, die in erneuerbare Energien investieren.
Du hast Fragen oder Anregungen? Kontaktiere uns gerne über Instagram oder per Mail: l.seherr@plantbase.shop.