Plastik - Der Weg zur Umweltkatastrophe

Plastik - Der Weg zur Umweltkatastrophe

Die Geschichte des Plastiks - ein kleiner Überblick

Dass Plastikmüll unsere Meere verschmutzt und ein riesiges Problem für unsere Umwelt darstellt, ist hinlänglich bekannt. Plastiktüten-Verbote und die große Nachfrage nach Zero-Waste-Produkten und unverpackten Lebensmitteln zeigen, dass dieses Thema im Bewusstsein der Verbraucher*innen angekommen ist. Viele Menschen versuchen, ihren Plastikverbrauch zumindest zu begrenzen.

Kunststoff an sich ist ein praktisches, vielseitiges Material, das zahlreiche Vorteile bietet. So lässt es sich mit wenig Aufwand in die verschiedensten Formen bringen, ist leicht herzustellen und zu verarbeiten.

Kunststoffe werden zu Formteilen, Halbzeugen, Fasern oder Folien weiterverarbeitet. Sie dienen als Verpackungsmaterialien, Textilfasern, Wärmedämmung, Rohre, Bodenbeläge, Bestandteile von Lacken, Klebstoffen und Kosmetika, in der Elektrotechnik als Material für Isolierungen, Leiterplatten, Gehäuse, im Fahrzeugbau als Material für Reifen, Polsterungen, Armaturenbretter, Benzintanks und vieles mehr. 

Der Anfänge der Kunststoff-Industrie liegen im 17. und 18. Jahrhundert, als Naturforscher Kautschuk aus Südamerika und Asien mit nach Europa brachten. Nach der Erfindung des Gummis und des Hartgummis durch Charles Goodyear folgte die Entwicklung von Zelluloid, Linoleum, Bakelit, Galalith und anderer Werkstoffe.

Über die genaue chemische Struktur von polymeren Materialien war im 19. Jahrhundert noch wenig bekannt. Als Begründer der Polymerchemie gilt der deutsche Wissenschaftler Hermann Staudinger. Für seine Arbeiten erhielt er 1953 den Nobelpreis.



Nach 1950 nahm wegen der großen Erfolge auf dem Gebiet der Polymerchemie die Produktion von Kunststoffen massiv zu. Jetzt konnten Formteile extrem billig produziert werden. Kunststoff war nicht mehr ein bloßer Ersatzstoff sonder wurde zu einem Werkstoff für die industrielle Massenfertigung. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Kunststoffen lag im Jahr 2000 bei 92 kg in Westeuropa, 13 kg in Osteuropa, 130 kg in Nordamerika, 19 kg in Lateinamerika, 86 kg in Japan, 13 kg in Südostasien und 8 kg im Mittleren Osten / Afrika.

Obwohl die potentiellen Schäden für die Umwelt seit Jahrzehnten bekannt sind, wächst die Kunststoffindustrie stetig weiter, wobei Asien mittlerweile Europa so wie Nord- und Südamerika überholt hat. Den Markt dominieren global agierende Chemiekonzernen wie beispielsweise Asahi Kasei, Basell, BASF, Bayer, Celanese/Ticona, DuPont de Nemours, DSM, und Solvay. Sie liefern Kunststoffe in Mengen von teilweise mehreren 100 kt pro Jahr.

Ist Kunststoff per se böse?

Nein. Auf zahlreichen Gebieten ist er unentbehrlich. Medizin und Pflege beispielsweise profitieren massiv vom Einsatz von Kunststoffartikeln. So sind Spritzen und Infusionssysteme mittlerweile Einmalmaterial, früher mussten die Utensilien aufwendig desinfiziert und aufbereitet werden, was natürlich auch immer ein Restrisiko barg.

Die für die Kunststoffherstellung verwendeten, hormonell aktiven Substanzen (endokrine Disruptoren) sind weltweit mittlerweile derart weit verbreitet, dass in Urin, Blut und Fettgewebe praktisch aller Menschen weltweit endokrine Disruptoren nachgewiesen werden können.

Ein weiteres, großes Problem ist, wie eingangs angedeutet, das Problem der Entsorgung. Von den ca. 6,3 Mrd. Tonnen Kunststoff, die bis 2015 zu Abfall wurden, wurden ca. 9 % recycelt und 12 % verbrannt. Etwa 79 % der Kunststoffe wurden auf Müllhalden deponiert bzw. wurden in der Umwelt ausgebracht, wo sie sich nun anreichern.


Oft gelangen die biologisch nicht abbaubaren Kunststoffe auch in die Umwelt. Von den weltweit jährlich produzierten mehr als 200 Millionen Tonnen Kunststoffen gelangen nach unterschiedlichen Schätzungen sechs bis 26 Millionen Tonnen in die Meere, 70 Prozent davon sinken auf den Meeresboden.

Sowohl an Land als auch im Wasser werden Plastikpartikel von Wildtieren mit natürlichem Futter verwechselt. Meeresbewohner und Wasservögel verhaken sich im Plastikmüll wie z.B. herrenlosen Netzen (Geisternetze) und verenden qualvoll.

Gibt es eine Lösung?

Ziel muss es deshalb sein, das Abfallmanagement international strenger zu reglementieren und zu kontrollieren. Außerdem muss an nachhaltigen Lösungen gearbeitet werden wie biologisch abbaubare Verpackungen und der Verbrauch massiv gesenkt werden.

Wenn man bedenkt, dass nur 5% des Plastik-Eintrages in die Weltmeere auf Europa und Nordamerika entfällt und dass ein immenser Anteil gar nicht auf die Verbaucher*innen direkt zurückzuführen ist sondern in der Industrie anfallen, könnte man natürlich gemäß dem Motto „wir können ja eh nichts ändern“ resignieren. Das wäre aber falsche Ansatz. Denn wir können etwas tun!

Wenn wir unseren Konsum umstellen und reduzieren, können wir dazu beitragen, dass weniger Kunststoff in der Herstellung unserer Konsumgüter verbraucht wird. Statt Fast Fashion und jährliche Anschaffung neuer Elektro-Geräte sollten wir wieder in Qualität investieren. Z.B. Geräte und Kleidung reparieren lassen statt sie wegzuwerfen, weil neu zu kaufen genauso günstig ist.

Und auch bei täglichen Kaufentscheidungen lohnt es sich, konsequent zu sein, denn wir als Verbaucher*innen haben es in der Hand: wenn wir die Nachfrage nach unverpackten bzw. nachhaltig verpackten steigern, wird das Angebot anziehen.

Manche Menschen verstehen den Ansatz des Beginnens im Kleinen nicht, machen sich sogar über konsequenten Konsum lustig, da es ja vermeintlich eh nichts bringt. Aber stimmt das? Fakt ist doch dass jede Glasflasche, die eine Plastikflasche ersetzt, jedes Seifenstück, das statt Plastik-Duschgel gekauft wird, den Plastikverbrauch reduziert. Jeder kleine Schritt zählt und je mehr Menschen mitmachen, desto besser.

 

Fazit

Kunststoff ist eine wichtige Erfindung, die die Welt vorangebracht hat und er leistet noch heute gute Dienste. Das Problem der mangelhaften Entsorgung und Aufbereitung sowie der massenhafte Gebrauch auch auf Gebieten, wo es nachhaltigere Alternativen gäbe, kann durch gemeinsame Anstrengungen von Industrie, Staat und Verbraucher*innen gelöst werden. Jede*r kann einen Teil dazu beitragen, den eigenen Plastikverbrauch zu reduzieren. Wir sollten daher wegen der schwindelerregenden Zahlen nicht resignieren, sondern gemeinsam daran arbeiten, unseren Nachkommen eine intakte, plastikmüllfreie Erde zu hinterlassen.