Jatrophasamen, Simbabwe

Von ZUBO und Jatropha

Was weißt du eigentlich über Simbabwe? 

Simbabwe bedeutet übersetzt Steinhäuser, liegt im südlichen Afrika am Sambesi und grenzt an Südafrika, Botswana, Sambia und Mosambik. Das Gebiet war früher eine britische Kronkolonie (genannt Südrhodesien), welche sich 1965 als Rhodesien unter einer weißen Minderheitsregierung einseitig als unabhängig erklärte. 1980 fanden Wahlen unter politischer Beteiligung aller Gruppen statt und das Land erhielt als Republik Simbabwe eine schwarze Mehrheitsregierung. Hunger, Arbeitslosigkeit und Energieknappheit sind hier weit verbreitet. Seit Jahren ist das Land von Land Wahlbetrug, Inflation, Machtmissbrauch, Menschenrechtsverletzungen und Korruption geprägt. Außerdem erfuhr es einen wirtschaftlichen Niedergang, von welchem es sich kaum erholt hat. Simbabwe war im Jahre 1997 mal eins der wirtschaftlich stärksten Länder Afrikas. Heute sieht das Ganze etwas anders aus. Mit prognostizierten 1,5% wächst das Land schwächer als die anderen aus der Region. Unter anderem die diktatorischen politischen Zustände im Land haben dazu geführt, dass sich die Wirtschaft immer weiter verschlechterte. Von 1998 bis 2008 sank die Wirtschaftsleistung etwa um die Hälfte. Im Jahr 2005 wurde eine Aktion zum Beseitigen des Schwarzmarktes ins Leben gerufen, infolge dessen 750.000 Menschen obdachlos wurden, da ihr Besitz wie auch ihre Behausungen beschlagnahmt wurden. Im selben Jahr waren etwa 45% der Bevölkerung in Simbabwe unterernährt. Im darauffolgenden Jahr wurden in Harare 10.000 Straßenkinder, -händler und Obdachlose festgenommen, da diese laut Behörden für Unruhen verantwortlich seien. 

Simbabwe wird durch einen Präsidenten regiert. Nach 30 Jahren mit demselben Präsidenten erfolgte 2017 ein Machtwechsel durch einen Militärputsch. Laut eines Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist liegt das Land auf Platz 130 von 167 und gehört damit zu den autoritär regierten Staaten. 

Besonders sozial benachteiligte Gruppen und hier vor allem Frauen leiden sehr unter dieser Situation. Theoretisch sind Frauen rechtlich seit 1982 gleichgestellt, praktisch stellt die Gleichstellung der Frau eine der größten Herausforderungen der simbabwischen Regierung dar. Immer noch herrschen alte Denkweisen und Praktiken, die Frauen und Mädchen in ihren Rechten behindern. Außerdem gibt es im Land Gesetze und schwere Bestrafungen gegen Homosexuelle und auch die Pressefreiheit im Land ist stark eingeschränkt.

In Simbabwe leben verschiedene Bevölkerungsgruppen. Die größte von ihnen (etwa 70%) machen die Shona aus, danach kommen die Ndebele mit etwa 13%. Weitere kleinere Gruppen sind die Venda, die Tonga, die Chewa, Sotho, Tswana, Lilima oder Chikunda. Ein wesentliches Merkmal der Shona sind spirituelle Medien und der Totemglaube. Dieser wurde auch von den Ndebele übernommen, welche als Krieger gefürchtete Gegner waren. Die Tonga gelten als ein sehr friedliebendes Volk und werden manchmal sogar von Shona-Gruppen als Streitschlichter angefragt. Außerdem sind sie sehr gute Jäger*innen und Fischer*innen. Wir wollen auf diese Bevölkerungsgruppe gern etwas genauer eingehen:

Die Geschichte der Tonga 

Die Tonga sind eine Gruppe der Bantu-Ethnien, welche sich entlang des Sambesis ansiedelten, nachdem sie im 15. und 16. Jahrhundert entlang der Ostseite des Malawi-Sees nach Süden gewandert sind und hier über Jahrhunderte hinweg lebten. Zu den Bantu gehören über 400 verschiedene Ethnien, aus Zentral-, Ost- und dem südlichen Afrika, welche Bantu-Sprachen sprechen, eine Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen. Durch die steile Böschung des Sambesis lebten sie zum einen aufgrund geographischer Faktoren relativ isoliert und abgrenzt, andererseits gab es aber auch aufgrund eines zersplitterten Sozialsystems keine kulturellen Überschneidungen. 
Die meisten Tonga leben allerdings gar nicht in Simbabwe, sondern im angrenzenden Sambia. Hier wohnen etwa 2 Millionen Tonga, in Simbabwe ungefähr 300.000. Hier machen sie etwa 2% der Gesamtbevölkerung aus. 
Nach dem Ende des 19. Jahrhunderts europäische Großmächte auch damit begonnen, das Landesinnere von Afrika zu kolonialisieren, änderte sich auch Mitte des 20. Jahrhunderts das Leben der Tonga schlagartig. 1957 wurde beschlossen, den Kariba-Staudamm zu bauen, um die anliegenden Kupferbergwerke ausreichend mit Energie versorgen zu können. Die damals rhodesische Regierung zwang die Tonga, ihre Heimat zu verlassen und in höher gelegene Gebiete umzusiedeln. Für die Tonga eine fatale Entwicklung, denn sie mussten nun anstelle mit fruchtbarem Schwemmland mit dürre geplagter Savanne klarkommen, denn das Land am Kariba-Stausee ist sehr unfruchtbar

Karte Simbabwe, Binga

Die Frauen dieser Gruppe sind sowieso kulturell stark benachteiligt und leiden sehr unter der Gleichstellungssituation im Land. Eine Studie fand 2012 heraus, dass Frauen hier durchschnittlich weniger als 2 US-Dollar am Tag verdienen. Traditionell verdienen sie ihren Lebensunterhalt damit, die traditionell den Frauen vorbehaltene Art des Fischfangs in ZUBO-Körben auszuüben. In der Tonga-Kultur gilt die Überzeugung, dass Frauen keine freien Entscheidungen treffen dürfen, nicht einmal im Haushalt. Auch heute noch werden junge Mädchen schon zum Heiraten gezwungen und es ist keine Seltenheit, dass Männer mehrere Frauen heiraten. Stirbt ein Mann, werden die Witwen auch gegen ihren Willen an die Angehörigen/Verwandten weitervererbt. Da es den Tonga-Frauen auch kulturell nicht erlaubt ist, über sexuelle Fragen zu verhandeln werden sie auch oftmals Opfer von AIDS. Simbabwe generell gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern von HIV und AIDS - etwa ein Siebtel der Bevölkerung ist hiervon betroffen. Die Rate der Infizierten konnte zwar von 1995 bis heute halbiert werden, jedoch sind fast 80% aller infizierten Jugendlichen Frauen. Hier, aber auch in vielen anderen Bereichen fehlen Frauen die Möglichkeiten ihre Interessen zu vertreten. Laut Entwicklungsprogramm der UNPD hat Binga den niedrigsten Gender-Empowerment-Wert aller Distrikte in Simbabwe. Und hier setzt die Frauenorganisation ZUBO an: 

Die Frauenorganisation ZUBO

ZUBO ist eine von Frauen geleitete Non-Profit-Organisation, welche Frauen in Simbabwe unterstützt, indem sie ihnen Beratung und Austausch zu den Themen Gewalt, Existenz, Probleme und Krankheit anbietet und sie im Kampf um ihre Rechte unterstützt. Außerdem begleitet die Organisation einkommenschaffende Projekte in Frauenforen. Dazu kooperiert ZUBO auch mit einer simbabwischen Anwältinnenvereinigung, welche die Frauen dabei unterstützt ihre Rechte einzuklagen. Geplant ist außerdem ein Frauentrainingszentrum, durch welches die Frauen noch weiter beraten und trainiert werden können. Die Organisation wurde 2008 gegründet und unterstützt mehr als 20 Frauengruppen in den Dörfern um Binga. Diese bilden das Rückgrat der Frauen vor Ort. Sie haben verschiedene Funktionen vor Ort. So sparen sie gemeinsam, um kleine Kredite an Mitglieder vergeben zu können, zum Beispiel in Form von Saatgut oder einer Nähmaschine. Außerdem wird durch Gruppentreffen der soziale Zusammenhalt der Frauen gestärkt. Viele haben nur aufgrund von ZUBO angefangen, sich eine Existenz aufzubauen, indem sie zum Beispiel Körbe herstellen oder im Fischfang arbeiten. Auch bei der Vermarktung stellt ZUBO eine Hilfe dar. 

Seit 2012 ist ZUBO Partner vom Welthaus Bielefeld, mithilfe dessen ein Seifenprojekt gefördert werden konnte. 2015/16 wurde eine Werkstatt in Binga gebaut, eine Ölpresse finanziert und die Frauen fachgerecht ausgebildet. Das Seifenprojekt bietet eine Einkommensquelle für etwa 400 Frauen. Bevor es dieses gab, war oftmals die einzige Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen ein täglicher 20-Kilometer-Marsch mit einem Bündel Feuerholz, um dieses in Binga für etwa einen Dollar verkaufen zu können. 

Die Seifenwerkstatt in Binga

Die Frauen haben eine Vorbildfunktion in Binga: Durch sie wird immer wieder bewiesen, dass sie erfolgreich ein Unternehmen führen und die Seife sogar bis nach Europa exportieren können. 

Doch wie funktioniert das eigentlich? 

Die Seife besteht aus Jatrophaöl. Jatropha ist eine Wildpflanze in Simbabwe und gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse - sie wächst dort so wie hier zum Beispiel Kastanien! Aufgrund des unfruchtbaren Bodens ist dies nicht nur eine günstige, sondern auch eine super nachhaltige Möglichkeit, da natürliche Ressourcen genutzt werden und die Pflanzen nicht noch per Hand gewässert werden müssen. Die Samen der Pflanze müssen nur von den Frauen eingesammelt werden. Diese werden dann gepresst, sodass das Jatrophaöl entsteht. Dieses ist im purem Zustand ungenießbar, weshalb durch die Seifenherstellung auch keine Nahrungsmittelressourcen verschwendet werden. Aus diesem Öl wird dann die Seife hergestellt (welche nach dem Verseifungsprozess natürlich nicht mehr giftig ist!). Heraus kommt eine pflanzliche Kernseife, die nicht überfettet ist. Die Jatrophaseife bildet einen sehr feinen und cremigen Schaum aus, welcher die Haut samtig weich macht. Sie duftet dezent und natürlich.
Ein toller Effekt sind außerdem kleine Wertschöpfungsketten. So wird für möglichst viele Frauen Einkommen geschaffen. Dazu gehören zum einen diejenigen, welche die Jatrophasamen sammeln, aber auch die Frauen, welche die Seife herstellen, verpacken, vermarkten und transportieren. 

Die Tonga-Frauen beim Seife zuschneiden

Was hat PlantBase jetzt damit zutun?

Wir sind begeisterte Fans der Seife und des gesamten Projektes und freuen uns deshalb umso mehr, dabei helfen zu können die Seife zu vertreiben. Denn das Projekt läuft zwar schon richtig gut, jedoch braucht es noch etwas Unterstützung bis wirklich schwarze Zahlen geschrieben werden können. Außerdem wird immer neues Material benötigt, wie zum Beispiel bessere Seifenformen. Und die Frauen müssen natürlich auch angemessen vergütet werden. 

Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Jatrophaseife aus Binga auch bei uns im Shop anzubieten! Mit jeder Seife, die wir anbieten unterstützen wir die Organisation ZUBO. Außerdem legen wir bei jeder verkauften Seife noch einmal denselben Spendenbetrag obendrauf. 

Wir hoffen natürlich, dass ihr die Seife ausprobiert und sie euch genauso überzeugt wie uns. Für weitere Informationen kommt ihr hier zum Welthaus Bielefeld und hier zur Website von ZUBO