Bundesregierung will Plastiktüten verbieten

Bundesumweltministerin treibt Umstieg auf Mehrweg voran

Bereits letzte Woche hat das Bundeskabinett auf Initiative von Bundesumweltministerin Svenja Schulze einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Plastiktüten mit einer Wandstärke von unter 50 Mikrometer künftig verboten werden sollen.

Schulze: „Plastiktüten sind der Inbegriff der Ressourcenverschwendung: Sie werden aus Rohöl hergestellt und oft nur wenige Minuten genutzt. Häufig landen sie in der Umwelt, wo sie über viele Jahrzehnte verbleiben und jede Menge Schäden anrichten können. Die Erfahrungen der letzten Jahre mit der freiwilligen Vereinbarung zeigen: Es geht auch ohne die Plastiktüte beim Einkauf. Immer mehr Menschen gewöhnen sich daran, Mehrwegbeutel dabei zu haben. Momentan liegt der Verbrauch in Deutschland etwa bei 20 Einweg-Plastiktüten pro Kopf und Jahr. Mit einem Verbot kommen wir jetzt auf Null. Denn das gilt dann auch für die Händler, die sich bislang nicht an der Vereinbarung beteiligt haben.“

Plastitüte

Auch sogenannte Bioplastiktüten sind von dem geplanten Verbot betroffen. Denn, so die Ministerin, Kunststoffe aus Rohstoffen wie Zucker, Kartoffeln oder Mais seien nicht unbedingt umweltfreundlicher als Kunststoffe aus fossilen Rohstoffen. So ließen sie sich oft nicht recyclen und ihre Erzeugung sei oft mit Pestizideneinsatz und Monokulturen verbunden.


Sollte der Gesetzentwurf Bundestag und Bundestag passieren, wird Händlern eine sechsmonatige Übergangsfrist eingeräumt werden, um Restbestände in den Geschäften abzubauen. Ein gesetzliches Verbot soll die freiwillige Vereinbarung von 2015, nach der der Handel freiwillig auf die kostenfreie Ausgabe von Kunststofftragetaschen verzichtet, ersetzen. Sollte gegen das Verbot verstoßen werden, drohen bis zu 100.000 Euro Bußgeld.

Bereits durch den freiwilligen Verzicht weiter Teile des Handels, ist der Verbrauch an Plastiktüten signifikant zurückgegangen. So wurden letztes Jahr im Schnitt pro Kopf 20 Tüten verbraucht, während es 2015 noch 68 waren. Es ist laut Bundesumweltministerium ohne ein Verbot aber nicht damit zu rechnen, dass der Verbrauch weiter sinkt.

Vielen geht das Verbot nicht weit genug


Der Gesetzentwurf bleibt hinter den Erwartungen von Umweltschützern zurück. Denn ausgenommen bleiben sogenannte Hemdchenbeutel. Das sind die meist kostenlos erhältlichen dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse. Argumentiert wird damit, dass ein Verbot dieser zu mehr Plastikverpackungen führen würde. Im Jahr 2018 wurden allein in Deutschland mehr als drei Milliarden dieser Tüten verbraucht, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf das Bundesumweltministerium berichtet.

Auch Papiertüten sind keine umweltfreundliche Alternative beim Einkaufen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schreibt dazu auf ihrer Website: „Tragetaschen aus Papier sind aus ökologischer Sicht nicht generell besser als solche aus Kunststoff, da für ihre Produktion besonders lange und reißfeste Zellstofffasern notwendig sind, die mit Chemikalien behandelt werden müssen. Papiertüten sind in der Regel schwerer als Plastiktüten, weil ihre Wandstärke dicker sein muss, um dieselbe Reißfestigkeit zu haben. Das erhöht den Materialeinsatz pro Tüte und führt zu mehr Emissionen beim Transport. Durch den Einsatz von Recyclingpapier und das abermalige Recycling nach der Verwendung kann die Umweltbilanz von Papiertüten jedoch verbessert werden. Ohne Anteile an Sekundärmaterial und ein Recycling wird eine Papiertüte im Vergleich zu einer rohölbasierten Plastiktüte erst dann ökologisch interessant, wenn diese drei bis vier Mal wiederbenutzt wird.“

Einkaufsnetz

Am besten ist es, ganz auf Einwegtüten zu verzichten. Nimm' dir zum Einkaufen einfach Tragetaschen oder Boxen mit. Wenn du mit dem Auto untergwegs bist, halte stets ein paar Tüten im Kofferraum bereit. Für Rucksack und Handtasche gibt es günstige, robuste Tragetaschen zum Zusammenfalten. Solltest du trotzdem mal ohne Tasche im Supermarkt stehen, nimm' dir einfach einen leeren Karton und transportiere deinen Einkauf damit nachhause.