Unfruchtbar durch Plastik-Kosmetik?

Dass Plastik schlecht für die Umwelt ist, ist mittlerweile hinreichend bekannt. In den Weltmeeren befinden sich Unmengen an Kunststoffabfällen, die hunderte Jahre brauchen, um sich zu zersetzen. Der praktische Werkstoff mutiert zu einer globalen Katastrophe. Doch neben der Verschmutzung der Umwelt bringt Plastik zahlreiche andere Probleme mit sich: So enthalten viele Kunststoffe sogenannte endokrine Disruptoren (ED). Darunter fallen z.B. Bisphenol A (BPA) und Phtalate.

Plastik ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken

Wenn das Wort Plastik fällt, denken wir zuerst an PET-Flaschen, Lebensmittelverpackungen, Einkaufstüten und Obst – und Gemüsebeutel. Aber Kunststoffe befinden sich in zahlreichen anderen Gegenständen des täglichen Lebens: Im Thermopapier der Kassenbons, als Baustoff für viele Gebrauchsgegenstände und in hohem Maße in Textilien wie Fleece, Mischgewebe, Regenjacken, und Synthetikschuhen. Wir sind also nicht nur ernährungsbedingt ständig dem Einfluss von endokrinen Disruptoren ausgesetzt.
„Weil wir ständig Kontakt mit diesen Substanzen haben, werden BPA und Phtalate quasi in allen humanen Proben (Urinproben) gefunden“ sagt Gunda Herberth vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

ED nicht nur in Kunstoffen

Nicht nur in Kunststoffen werden diese Substanzen eingesetzt. So finden sie auch Verwendung im Schiffbau. Biologen entdeckten vor einigen Jahren stark veränderte Meeresschnecken entlang der Hauptschifffahrtsstrecken der Weltmeere . Schnecken sind als Zwitter besonders anfällig für Hormonschwankungen. Das Umweltgift Tributylzinn (TBT) wird Schiffsanstrichen zugesetzt und verhindert ein übermäßiges Anhaften von Muscheln und Algen. Die Verbindung blockiert bei den Tieren die Bildung von Östradiol. Dies führt zu einer Schieflage im Hormonhaushalt und die Schnecken vermännlichen. Dies kann langfristig zu einem Aussterben dieser Spezies führen.

Und auch an uns Menschen geht die ständige ED-Exposition offenbar nicht spurlos vorüber. Seit Jahren beobachten Forscher eine Abnahme der Samen-Qualität und des Testosteronspiegels bei Männern, sowie einen Anstieg von hormonabhängigen Tumoren wie Brust- oder Hodenkrebs. Da die Entstehung letztgenannter Krankheiten aber multifaktoriell ist, kann eine Kausalität zwischen Krankheit und Umwelthormonen nur selten bewiesen werden, auf diesem Gebiet wird allerdings intensiv erforscht.

Die Verwendung von Kunststoffen in allen Bereichen muss radikal eingedämmt werden

Sicher ist hingegen, dass die drastische Reduktion des Einsatzes von Plastik sowohl dem Menschen als auch der Umwelt gut tut.

Und das ist im Alltag gar nicht so schwer wie viele glaube. Statt in PET-Flaschen gibt es Wasser und andere Getränke auch in Glasflaschen zu kaufen (am besten ist es ohnehin Leitungswasser zu trinken), Obst und Gemüse gibt es auch unverpackt, Getreide, Nüsse und Hülsenfrüchte kann man in den zahlreichen neu entstandenen Lose-Läden kaufen, statt Synthetik-Gewebe sollte man zumindest in den ersten beiden Kleidungsschichten auf plastikfreie Alternativen wie Leinen, Hanf oder Biobaumwolle setzen. Im Bereich der Körperpflege muss man gleich auf zwei Sorten Kunststoff achten: die offensichtliche Kunststoffverpackung - die auch bei Naturkosmetik-Anbietern trotz vorhandener Alternativen immer noch Standard ist - und Mikroplastik in den Kosmetika selbst. Neben dem Einsatz von Kunststoffpartikeln als Bestandteil von Peelings u.ä. besteht auch die Gefahr, dass die endokrinen Disruptoren - wie bei den Lebensmitteln -  aus der Verpackung in Lotionen, Duschgels etc. gelangen und so im Körper landen.